Mole House © Ed Reeve

Das Haus als Kunstwerk. Gemeinsam mit und für eine Künstlerin transformierte David Adjaye ein viktorianisches Stadthaus, das von einem skurrilen Vorbesitzer in Eigenregie umgebaut worden war, zu einem sehr persönlichen Raum für Ideen.


 

DIY und seine Folgen

Dieses Patchwork-Haus mit der Anmutung eines Bunkers fügte sich einst nahtlos in seine Umgebung von eleganten viktorianischen Residenzen im Londoner Stadtteil Hackney. Die freistehende Villa hat ihren klassischen Kern bewahrt: Eine symmetrische Anlage, Wände mit Rauputz und großen Fenstern im Sockelgeschoss mit kleineren darüber. In den frühen 2000er Jahren stellte die Nachbarschaft mit Schrecken fest, dass der Hauseigentümer, William Lyttle, unter dem Gebäude Tunnel angelegt hatte. Außerdem schien er das Haus mit selbst gemachtem Beton „repariert“ zu haben. Schließlich verordnete die Bezirksbehörde von Hackney die Zwangsräumung und goss Tonnen von Beton in die Schächte unter dem Bauwerk, um es abzusichern und zu verhindern, dass Passanten, Autobusse oder das Haus selbst eines Tages im Boden verschwinden.

Mole House © Ed Reeve

Mole House © Ed Reeve

Ein künstlerisches Statement

Die Entscheidungen, was erhalten bleiben und was neu geschaffen werden sollte, stellten eine ständige Herausforderung dar, wobei das Entfernen von 2000 Tonnen Füllbeton noch eine der leichteren war. Darüber hinaus war Webster jedoch bestrebt, die Geschichte von Lyttle – bekannt als der Maulwurfsmann – lebendig zu halten, und bis zu einem gewissen Grad identifizierte sie sich auch mit ihm. Ihre eigenen Kunstwerke entstehen aus wiederverwerteten Gegenständen und sind der Schönheit von Licht und Schatten gewidmet. Webster stemmt sich gegen das Reinemachen der Welt: „Ich möchte so viel Verschrobenheit wie möglich bewahren. Wenn die Exzentrik verschwindet, ist die Welt zu sauber.“

Das Spannende an der Zusammenarbeit mit Sue an dem Projekt war, dass es wirklich auch ein künstlerisches Statement ist, obwohl es zugleich auch als ihr Zuhause dient.

David Adjaye

David Adjaye arbeitete klug mit der Geschichte des Hauses, mit seinen Bestandteilen – darunter Segmenten einer eingestürzten Gartenmauer, die nun als gigantische bröckelnde Pflanztröge dienen, sowie eine Treppe „ins Nirgendwo“ im Garten. Das Ergebnis ist eine Komposition aus erodierten Elementen und scharfen Kanten, die einander auf faszinierende und kühne Weise sanft berühren oder überlappen. Das Thema artikuliert sich in neuen Akzenten, die alte aufnehmen und zelebrieren, etwa bei den Mauern des versunkenen Gartens aus wellenförmigem Beton; dieser wurde mithilfe von Gussformen aus Wellblech gefertigt, die auf den rostigen alten Zaun, der einst das leerstehende Gebäude abschirmte, Bezug nehmen. Das Motiv setzt sich in Umzäunungen auf dem gesamten Grundstück fort, in Form von Röhren aus Metall und Holz.

Mole House © Ed Reeve

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