Naturpfad in der Enklave Bobrowisko

Naturpfad in der Enklave Bobrowisko © Dariusz Ptak

Die Landschaft und die Natur rund um ein Vorgebirgsdorf wurden für ein junges, empfindsames Architektenpaar aus Polen zur wichtigsten Inspirationsquelle ihrer schöpferischen Tätigkeit. So engagierte sich das Team der 55Architekci auch für das Forschungsprojekt der Krakauer Universität für Wissenschaft und Technologie, welches sich mit dem Thema der Revitalisierung von Schottergruben beschäftigt. Grundidee des Projekts Tarnower Seenplatte ist, dass die wassergefüllten ehemaligen Abbaugruben ein ähnliches Kultur- und Erholungspotenzial haben können wie natürliche Seengebiete.


In den südlichen Vororten von Nowy Sącz treffen zwei aus den Tatra fließende Gebirgsflüsse aufeinander: der Poprad und der Dunajec. Der von der Strömung getragene Schotter wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beim Zusammenfluss intensiv abgebaut. In den letzten Jahrzehnten wurden die entstandenen Schotterteiche aber von der Natur und von Fischern zurückerobert. So ist die Idee entstanden, das Gebiet für Naturliebhaber zugänglich zu machen, die diesen Lebensraum vor der Zerstörung durch menschliche Neugier bewahren würde. Die Aufgabenstellung bestand darin, ein System von Stegen und Beobachtungsposten zu errichten, welches verhindert, dass Besucher die Tiere aufscheuchen. Gemeinsam mit den Architekten lokalisierten die Naturwissenschaftler die Aufenthaltsorte von Tieren und definierten die Standorte für die Beobachtungsposten. Verbunden sind zwei Holzhütten durch einen am Rande des Sumpfes im Zick-Zack verlaufenden Holzsteg. Die Zugänge vom Steg zu den Beobachtungsposten sind mit Paneelen aus unbearbeitetem Holz verkleidet, wobei die Holzbretter anfangs in durchbrochener Weise angeordnet sind und in der Nähe der Holzhütte sukzessive in eine dichte Wand übergehen. Auf diese Weise sind die Menschen, die sich hier bewegen, für die Tiere unsichtbar. Um die Haltbarkeit dieser Konstruktion auch bei Hochwasser zu gewährleisten, reicht die Brüstung nicht bis zur Ebene des Stegs hinunter. Ein über dem hölzernen Gehsteig belassener Spalt ermöglicht ein freies Durchfließen des Wassers. Die Beobachtungsposten sind ebenfalls mit Brettern beschlagen. Sie reichen bis zum Wasserspiegel und sind damit bewusst einem rascheren Patinierungsprozess ausgesetzt, denn im Sinne der Projektidee müssen auch die von Menschenhand gemachten Konstruktionen der natürlichen Abfolge ökologischer Veränderungen unterliegen.

Naturpfad in der Enklave Bobrowisko © Jakub Adamczyk

Naturpfad in der Enklave Bobrowisko © Jakub Adamczyk

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