Werner Sobek, Dirk E. Hebel und Felix Heisel

UMAR – Urban Mining und Recycling Unit, Dübendorf, Schweiz

Gebäude

Experimentell, edukativ und ja sogar radikal ist die Wohneinheit UMAR von Werner Sobek, die neue Materialien nicht nur so real wie möglich testen, sondern auch unser Verständnis von Gebäuden und Städten nachhaltig verändern will. Denn UMAR lädt dazu ein Gebäude stärker auch als Materiallager und Städte als Minen zu entdecken.

Regal für Test-Module

Der kleine Ort Dübendorf am nordöstlichen Stadtrand Zürichs gleicht auf den ersten Blick vielen anderen verlorenen Orten im Weichbild von Metropolen: großflächige Gewerbe- und Büroparks, kleiner historischer Dorfkern und überdimensionierte Verkehrsinfrastrukturen. Doch Dübendorf ist auch Hauptsitz der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA), auf deren Campus unter der Adresse Ueberlandstrasse 129 sich seit 2016 ein höchst interessantes Forschungs- und Demonstrationsgebäude befindet, das ganz der Zukunft des Bauens gewidmet ist.

Sein programmatischer Projektname „NEST“ steht für „Next Evolution in Sustainable Building Technologies“ und ist nichts Anderes als eine offene Versorgungsstruktur vier aufeinander geschichteter Plateaus, in die 12-15 unterschiedlich dimensionierte Module für möglichst realistische Praxisteste eingeschoben und angedockt werden können. 

Gebäude

Unveränderlich ist an dem 20 Millionen Franken teuren Gebäude der Architekten Gramazio & Kohler allein sein Kern und Stahlbetonskelett mit der Erschließung, den technischen Versorgungssträngen sowie mehreren Seminarräumen, die temporär um weitere Raumangebote in den Forschungsmodulen ergänzt werden können.

Innovative Materialverbindungen

In enger Kooperation mit den Eidgenössischen Hochschulen, Schweizer und internationaler Unternehmen und Forschern will hier die EMPA neue Raumkonzepte, Technologien für Energiemanagement und Materialien der Zukunft unter realen Wohn- und Arbeitssituationen testen sowie der Baubranche neue, öffentlich sichtbare Impulse vermitteln. Das Risiko, dass Innovationen von der Forschung bis zur Bau- und Marktreife oft viel zu lange Zeiten benötigen, will NEST entscheidend verringern, wie sein Innovationsmanager Enrico Marchesi verkündet. Besonders stolz ist er auf das jüngst eingefügte Modul UMAR, die „Urban Mining and Recycling Unit“ der deutschen Architekten Werner Sobek, Dirk E. Hebel und Felix Heisel.

Nach SolAce, Vision Wood, WATERHUB, dem DFAB House, Meet2Create, HiLo und Solare Fitness & Wellness ist UMAR aktuell das siebte Forschungsmodul von NEST. Auslöser für seine Existenz war wesentlich Dirk E. Hebels Dozententätigkeit an der ETH Zürich, bevor der renommierte Forscher neuer nachwachsender Baustoffe und Recycling-Materialien im Jahr 2017 eine Professur am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erhielt. 

Gebäude

Gemeinsam mit seinem Forschungsassistenten Felix Heisel und Werner Sobek, Deutschlands wohl bekanntestem Streiter für nachhaltige Architektur und Nachfolger von Frei Otto und Jörg Schlaich am „Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren“ in Stuttgart, entwickelten die drei Architekten das Konzept UMAR. Werner Sobek brachte dabei seine langjährige Erfahrung mit Prototypen als auch sein Leitkonzept des „Triple Zero“ ein. Wozu sie teilweise neue, leicht zu trennende Materialverbindungen entwickelten und teilweise neue Recycling-Produkte aufspürten oder oft erstmals kombinierten.

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