Schlicht Lamprecht Architekten, Bücherei Gundelsheim © Stefan Meyer, Berlin

Haus + Stall + Scheune = Bücherei. Ein bäuerliches Anwesen aus dem frühen 19. Jahrhundert verwandelten Schlicht Lamprecht Architekten zu einem ikonischen Gebäude, das sich harmonisch in die Dorfstruktur einfügt.


 

Einprägsame Form 

Die Gemeindebücherei war 20 Jahre lang ein kleiner Wanderzir­­kus. Im Oktober 2000 wurde sie zunächst in der damaligen Volksschule eröffnet. Ein paar Jah­re später wanderte sie in den alten Kindergarten, später, bis zum Sommer 2020, ins Rathaus, ehe das 20-jährige Jubiläum schließlich im großzügigen Neubau von Schlicht Lamprecht Architekten begangen werden konnte. Er ist bereits zu einem Wahrzeichen von Gundelsheim geworden: einprägsam in der Form, ohne das von giebelständigen Häusern geprägte Ortsbild zu konterkarieren, sondern es vielmehr innerhalb des neuen Ensembles aus Alt und Neu zu kondensieren. Ein typisches oberfränkisches Anwesen aus dem 19. Jahrhundert, bestehend aus dem Wohnhaus und daran anschließendem Stall, galt es für die neue Nutzung zu sanieren und zu erweitern. Die alte Scheune wurde schon abgetragen, bevor die Gemeinde die Liegenschaft erwarb. Sie konnte aber gerettet und in ein Freilichtmuseum übertragen werden.

Schlicht Lamprecht Architekten, Bücherei Gundelsheim © Stefan Meyer, Berlin

Schlicht Lamprecht Architekten, Bücherei Gundelsheim © Stefan Meyer, Berlin

Das klassische Bild einer Scheune aufzugreifen war unsere erste Entwurfsidee.

Christoph Lamprecht
Schlicht Lamprecht Architekten, Bücherei Gundelsheim © Stefan Meyer, Berlin

Innen dominieren Holzwolle-Akustikplatten und ein Terrazzoboden. © Stefan Meyer, Berlin

Haus im Haus

Dem in seinem Volumen unverändert belassenen und sorgfältig sanierten Wohnhaus wurde südseitig ein Doppelgiebelbau angefügt, dessen äußere Hülle aus hitzebehandelten Eschenlamellen sich über Dach und Wände zieht. An den verglasten Giebelseiten filtern sie in größerem Abstand gesetzt das Licht, an den Dachflächen schimmert das darunterliegende Edelstahldach durch und dort, wo sich das Lamellenkleid verdichtet, zeichnet sich – analog zu den Seitenschiffen historischer Scheunen – der Servicebereich mit Bücherausgabe, Büro und Sanitärräumen ab. Er flankiert das geräumige Hauptschiff, wo die Bücherregale an die Holzstützen angedockt wurden.

Die Gerüche von Holz und Büchern, haptisch angenehme Oberflächen, Lichtreflexionen und nicht zuletzt die liebevoll arrangierten Bücher und Mini-Ausstellungen komplettieren die von den Architekten erdachte Raumdramaturgie.

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