Neues Wohnen an der Glan (c) Christian Brandstätter

Seit über dreißig Jahren betreibt Eva Rubin ein engagiertes Büro in Kärnten, das viele innovative Wohn- und Bildungsbauten realisierte. Die Anlage „Neues Wohnen an der Glan“, die sie mit Jürgen P. Wirnsberger plante, zeigt eindrucksvoll, dass leistbarer Wohnbau auch menschenfreundlich abgehandelt werden kann.


 

Wohnen kommt vom Bauen

Ob sie mit einem Wunsch beginnen dürfe, startet Architektin Eva Rubin die Besichtigung ihres Sozialwohnbauprojekts in Klagenfurt: Der von Süden, über die Glan hinweg fotografierte Blick auf die Anlage sei wohl der beste Aufmacher. Nicht nur, dass die Bäume im Mittelgrund eine gewisse Maßstäblichkeit ins Bild brächten, die Aufnahme verdeutliche auch ganz zentrale Anliegen ihrer Planung: den starken Naturbezug etwa oder die starke Gliederung der Baukörper. Letztere verdankt sich dem hier bis ins Detail durchdeklinierten Prinzip, dass „Wohnen vom Bauen, nicht von großer Architektur kommt“. Der dabei angelegte, architektonische Maßstab will, wie das angesprochene Foto ebenfalls verdeutlicht, nicht auf blockhafte Systematik oder gar Monumentalität hinaus, sondern bleibt ein menschlicher.

Wir möchten in keiner Weise monoton bauen.

Architektin Eva Rubin
Neues Wohnen an der Glan; (c) Christian Brandstätter

Bereits 2011 lud die Stadt Klagenfurt zu einem städtebaulichen Wettbewerb, dessen Ziel es war, auf einem im Bezirk Feschnig, nahe dem Klinikum bzw. direkt am Grüngürtel der Glan gelegenen, stadteigenen Grundstück die „Ursprungsidee des Sozialen Wohnbaues“ mit innovativen Bebauungskonzepten zu verbinden. Und forderte einen leistbaren Wohnbau, der aber auch zeitgemäße Wohnformen unterstützt und seiner besonderen Lage gerecht wird. Der zum Sieger erklärte, in den vergangenen Jahren umgesetzte und inzwischen mit dem Landesbaupreis dekorierte Beitrag von Eva Rubin und Jürgen P. Wirnsberger reagiert darüber hinaus sehr empathisch auf die mit dem Thema Wohnen assoziierten Bedürfnisse.

Gartenwege und -netze

Das zeigt sich schon an der Verteilung der Volumina.  Die viel befahrene Grete-Bittner-Straße im Osten und die nördlich angrenzenden Lebensmittelmärkte werden von höheren Riegeln abgeschirmt – zur Sonne bzw. zum Grünen hin werden die Gebäude niedriger. Autos haben keinen Rundweg durch die Anlage, werden gleich an der Zufahrt in die Tiefgarage abgeleitet, über deren Rampe eine großzügige Radabstellbox als zusätzlicher Lärmpuffer dient. Die zehn freistehenden, teils L-förmig aneinanderstoßenden und nie höher als vier Geschoße aufragenden Bauten umschreiben zwei hofartige Außenräume. Ein „Hauptplatz“ mit einer sich großzügig vor einem Gemeinschaftsraum ausbreitenden Terrasse und teilüberdachtem Kinderspielplatz sowie ein noch grünerer „Gartenhof“ mit einem umzäunten Bereich für Hochbeete spannen ein viel durchwegtes, von Pflanzen und von den Schächten der Tiefgaragenentlüftung zusätzlich strukturiertes Areal auf.

Es ist in unterschiedliche, miteinander über Durchbrüche oder Durchblicke kommunizierende und mit dem Grünraum an der Glan gut vernetzte Zonen gegliedert und bringt dementsprechend wechselnde Aufenthaltsqualitäten mit sich.

Laubengänge: leicht und luftig

Natürlich verfügen sämtliche Erdgeschoß-Wohneinheiten über einen eigenen Garten – ein Faktor, der die Identifikation der Bewohner mit dem Ort steigert. Zur Behaglichkeit des Wohnens trägt auch die Erschließung der Wohnungen bei. Alle durch die Anlage führenden Wege halten stets Abstand zu den Fenstern. Ebenso die Laubengänge, die nur an den Eingängen zu den Baukörpern aufschließen, sonst aber – wie auch die Stiegenhäuser und Liftschächte – von ihnen klar abgesetzt bleiben. Versetzt angeordnete Glaslamellen schirmen den Außenbereich nicht hermetisch ab, definieren einen Zwischenbereich zwischen innen und außen. An den Stirnseiten bleiben die Laubengänge überhaupt offen. Das lockert die Struktur, lässt sie insgesamt leicht und luftig wirken. Außerdem wird so finsteren Ecken und unerwünschten Gerüchen vorgebeugt und jedem der Eindruck vermittelt, das eigene Haus zu betreten, „anders als in geschlossenen Stiegenhäusern, die viel zu warm sind und dämmrig nach Essen riechen“, erklärt Rubin.

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