decleva gregorič architects © Flavio Coddou

Ein Atelier für Designer, angedockt und abgesenkt hinter einem bescheidenen Reihenhaus: Mit minimalistischer Klarheit zeigen Aljoša Dekleva und Tina Gregorič exemplarisch, welche neue Arbeitswelt die Digitalisierung unter Pandemie-Bedingungen geschaffen hat.


Radikalisierte Entgrenzung

Die Corona-Maßnahmen haben gezeigt, dass auch heute noch eine großzügige Raumgestaltung möglich ist – allerdings mit dem Unterschied, dass die neuen, radikalen Spielregeln nicht mehr von den Stadtplanern und anderen Raumgestaltern aufgestellt und durchgesetzt werden, sondern von den für die öffentliche Gesundheit zuständigen Einrichtungen. Die neuen Technologien, vor allem aber die neuen Arbeitsformen, hatten schon vorher die Verlagerung der Büros und die Reinterpretation des öffentlichen Raums unabhängig von der Dauer der Veränderungen möglich gemacht.

Wie wir alle, die zu den sogenannten Kreativen gehören, wissen, hat sich der Arbeitsort bereits vor Jahren auf die Straße, in die Kneipe, in den Bus, vor allem aber in unser Zuhause verlagert. Je virtueller die Arbeit wurde und nur noch ans kabellose Internet, Smartphone und Laptop gebunden war, desto dynamischer und flexibler wurde auch der Arbeitsort. Durch die Dynamik der neuen Arbeitsformen begannen sich auch die statischen – räumlichen und zeitlichen – Grenzen aufzulösen, die sich im 20. Jahrhundert entwickelt und etabliert hatten. Die Glaswände der Bürohochhäuser sind längst kein Hindernis mehr, weder für das kabellose Internet noch für den kreativen Mitarbeiter, der jetzt von zu Hause seiner Arbeit nachgeht. Man ist rund um die Uhr abrufbar – abends, nachts und im Urlaub. So ist die plötzliche Umgestaltung der Schlafzimmer und Küchen in ad hoc-Wohnzimmer und -Büros aufgrund der Corona-Pandemie nichts Neues, sondern nur ein beschleunigter und radikalisierter Prozess, der bereits vor Jahrzehnten in Gang kam.

Sozialisierter Individualismus

Die Entwicklung begann in den Garagen und in den Teenager-Zimmern der amerikanischen Vorstädte, wo in den 1970er und 1980er Jahren die heutigen multinationalen Konzerne wie Microsoft und Apple entstanden. Die digitalen Technologien sind in den Suburbs entstanden und in diesem Jahr aufgrund des großen Homeoffice-Ansturms wieder triumphierend dorthin zurückgekehrt. Die vorstädtischen Reihenhäuser in dem kleinen mittelalterlichen Städtchen Škofja Loka könnten das slowenische Suburb-Äquivalent darstellen.

decleva gregorič architects © Flavio Coddou

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Das Studio unter der Erde kündigte die Harmonisierung und sogar die Kultivierung der Work-Life-Balance an.

Klein, aber komplex

Die abfallende Hangneigung ist nämlich gleichzeitig auch das Dach, unter dem das Designstudio Miklavc residiert. Das Gefühl, das Sie beim Hinuntergehen verspüren, hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem Zugang zu einer improvisierten Garage einer amerikanischen Vorstadt oder dem Betreten eines slowenischen Hausanbaus. Mit diesem Projekt haben die Architekten Dekleva und Gregorič durch die Vertiefung und die Überdachung des Gartens aus einem potenziellen Anbau eine kreative Lösung geschaffen, die auf einen Schlag die Nutzung von Reihenhaus, Garten, Arbeitsraum und die Beziehung zur Umwelt neu definiert. Das Herzstück der neuen Einheit ist ein kleines Atrium zwischen Reihenhaus und Designstudio, das – außer als Lichtschleuse – auch als Aula und Empfangsraum unter freiem Himmel dient.

decleva gregorič architects © Flavio Coddou

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