Eine neue Generation von IKEA-Möbelhaus von querkraft Architekten in Bau

IKEA Austria startet innerstädtisches Pilotprojekt in Wien

Neuer Typ von Möbelhaus: IKEA am Westbahnhof, entworfen von querkraft Architekten Rendering: c2019-printing

Am Wiener Westbahnhof ist gerade ein bahnberechendes Projekt in Bau: querkraft Architekten setzten sich beim Wettbewerb für das innerstädtische IKEA-Möbelhaus der neuen Generation durch. Am Westbahnhof – einem Hub des öffentlichen Verkehrs – sollen hier Menschen ohne Automobil rasch oder entspannt zwischen handlichen Wohnaccesoires des täglichen Bedarfs bis hin zur kompletten Bad, Kinderzimmer- oder Wohnkücheneinrichtung alles auf Wunsch ordern oder gleich mitnehmen können.


 

Seien es das amikale „Du“ in der Werbekampagne und zwischen MitarbeiterInnen, die schrägen, schwedischen Namen für Möbel und Produkte, das „Do it yourself“-Konzept, der Lachs, die Fleischbällchen und Kekse in Restaurant oder Shop: IKEA war immer schon Trendsetter. Das von Ingvar Kamprad 1943 in Schweden gegründete Unternehmen brachte nordisches Design und schwedische Lebenskultur zu günstigen Preisen in die ganze Welt.    

Künftiger Magnet und Frischluftspender am Westbahnhof: IKEA Möbelmarkt der neuen Generation von querkraft Architekten Rendering: ZOOM visual projects gmbH

Künftiger Magnet und Frischluftspender am Westbahnhof: IKEA Möbelmarkt der neuen Generation von querkraft Architekten  Rendering: ZOOM visual projects gmbH

In Österreich wurde 1977 das erste IKEA-Möbelhaus in der Shopping City Süd errichtet, sechs weitere folgten. Sie alle sind noch typische „blaue Boxen“ auf der grünen Wiese. Doch die Welt dreht sich weiter, Konsumgewohnheiten ändern sich. Der zukunftsträchtige Impuls für einen neuen, innovativen Typ von Einrichtungshaus kommt diesmal von IKEA Austria. „Das Leben hat sich verändert. Zwei Drittel der Menschen im innerstädtischen Bereich haben kein Auto mehr, sie recherchieren vorab online auf den websites der Einrichtungshäuser, was sie kaufen wollen. E-commerce boomt“, so Projektleiterin Sandra Sindler-Larsson. „Wir wollten am Standort Wien das innovativste Einrichtungshaus der Zukunft entwickeln.“

Seit 2014 geht IKEA Austria mit der Idee schwanger, im Jahr 2016 bekam der Konzern von der Stadt Wien grünes Licht, das Grundstück am Westbahnhof zu kaufen. Der Standort wurde gewählt, weil er optimal an den öffentlichen Verkehr angebunden ist. Zwei U-Bahnlinien, Straßenbahnen und Züge sorgen für hohe Frequenz, außerdem gibt es hier das Einkaufszentrum Westbahncity und verläuft direkt vor dem neuen Einrichtungshaus mit der Mariahilferstraße die größte Einkaufsmeile der Stadt.

160 Bäume am Dach: IKEA Projekt von querkraft Architekten Rendering: ZOOM visual projects gmbH

160 Bäume am Dach: IKEA Projekt von querkraft Architekten Rendering: ZOOM visual projects gmbH

Der neue, innerstädtiche IKEA will ein integraler Bestandteil der Gegend rund um den Westbahnhof sein.  „Der Hub soll ein Treffpunkt sein – so etwas wie eine analoge Social-Media-Plattform“, sagt Jakob Dunkl. Insgesamt werden – inklusive Grundstückskauf – 135 Millionen Euro investiert, das Gebäude ist komplett mit BIM geplant und BREEAM zertifiziert. Derzeit wird gerade die ein Meter dicke Bodenplatte betoniert. Voraussichtliche Fertigstellung ist im Spätsommer/Frühherbst 2021.

Mitte 2017 suchte IKEA nach architektonischen Ideen, die das neue Konzept optimal umsetzen sollten. Neun Büros aus ganz Europa wurden geladen, Martin Kohlbauer war Juryvorsitzender, um die beiden Finalisten in eine dritte Überarbeitungsrunde zu schicken, nahm IKEA noch einmal Geld in die Hand. „Für die Teilnahme an der dritten Runde haben wir ein doppelt so hohes Honorar bekommen wie in der ersten Runde“, streut Jakob Dunkl von querkraft IKEA Rosen. „So einen Bauherren hatten wir noch nie. Wir legten uns wirklich noch ins Zeug und zogen die besten Kräfte des Büros für dieses Projekt ab.“ Der Aufwand lohnte: querkraft siegten.

Sie entwickelten ein Projekt, das außen von einem Stahlgrid umgeben ist, der an ein Regal erinnert. Dieser Grid soll begrünt werden und außerdem „Extensions“ haben sie beispielsweise Balkone für die Kundschaft und einzelne Felder, die als Schaufenster wirken. „Es ist wie ein Regal, in dem viele verschiedene Dinge stehen können“, erklärt Jakob Dunkl. Die Pflanzen am Grid wirken auch als Beschattungselemente für die Glasflächen der Fassade des Hauses. Innen ist es sehr flexibel angelegt, um IKEA möglichst lang die Option offen zu lassen, wie es eingerichtet werden soll. Grundsätzlich sollen hier Wohnlandschaften, Küchen und ähnliche „sperrige“ Möbel nur getestet, nicht aber mitgenommen werden können. Sie werden binnen 24 Stunden vom neuen, riesigen Distributionszentrum in Strebersdorf angeliefert. Das typische IKEA-Restaurant soll ein Food-Erlebnis bieten, außerdem wird es ein eigenes Sound-Konzept geben. Um die Anlieferung per LKW für die Nachbarschaft so unauffällig wie möglich zu gestalten, wurde eine eigene Drehscheibe entwickelt, damit die LKWs innen entladen werden können und nicht lautstark wenden müssen.

„Wir wollen nicht nur Kundenwünsche erfüllen, sondern auch noch übertreffen“, sagt Maimuna Mosser, Business Managerin von Ikea. Das neue Einrichtungshaus soll als „home furnishing experience hub“ ständig neue Erlebnisse bieten. „Wir haben es mit sehr unterschiedlichen Kunden zu tun. Einige wollen einen raschen, unkomplizierten Einkauf erleben und sich schnell etwas holen, was sie auch tragen können. Andere bereiten sich im Internet genau vor und wollen sich Zeit nehmen, um ihr Wohnzimmer zu planen“, so Mosser. Weitere wiederum werden nur abhängen und ins Restaurant gehen oder auf den Dachgarten: Denn querkraft planten in 30 Meter Höhe einen Garten mit 160 Bäumen, der auch konsumfrei zugänglich sein soll. „Begrünte Dachflächen in Städten werden besonders lebenswert sein. Die 160 Bäume am Dach werden auch einen positiven Einfluss auf das Mikroklima der Umgebung haben“, so Dunkel. „Wir wollen ein guter, bunter Nachbar sein.“ Besonders stolz ist er darauf, dass das Gebäude um 4,5 Meter von der Grundgrenze zurück tritt: Das schafft einen großzügigen Raum rund um das Haus. Die Geschäfte, die es vorher gab – ein Bäcker, eine Apotheke, ein Friseur – werden auch weiterhin im Erdgeschoss bleiben können. In den obersten zwei Stöcken wird ein Hostel der Accor-Kette JO&JOE mit 345 Betten einziehen.

Jakob Dunkl von querkraft Architekten auf der Baustelle Photo: Robert Harson

Jakob Dunkl von querkraft Architekten auf der Baustelle Photo: Robert Harson

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