Ein Gespräch mit INNOCAD

Interview: Körper, Geist und Seele

Anastasija & Martin Lesjak © KAPFHAMMER

Das Grazer Architekturbüro INNOCAD gestaltete viele wegweisende Arbeitsumwelten und produziert unter dem Label 13&9 auch sehr erfolgreich Produktdesign. Darunter Akustik-Lichtsysteme, modulare Bodenbeläge und ergonomisch durchdachte Möbel. Denn das Wohlbefinden des Menschen ist eines ihrer Kernthemen. Ein Gespräch mit Martin Lesjak von INNOCAD und Anastasija Lesjak von 13&9.


ISABELLA MARBOE: Ihr habt schon viele Büros für unterschiedliche Unternehmen gestaltet. Was war euer erstes Projekt?

MARTIN LESJAK: Unser eigenes Büro. Als kleines, dynamisches Team haben wir in einer alten Werkstatt gestartet, die zu unserer Arbeitsatmosphäre passte. Das war ein klassisches Loft-Büro, das wir mit Thermo-Vorhängen unterteilt haben, um möglichst viel Flexibilität um möglichst wenig Budget zu schaffen. Dann zogen wir in das von uns selbst geplante Golden Nugget, das jetzt noch unser Büro ist. Die Situation ist sehr atypisch: Im hofseitigen Bereich wurde das bestehende alte Haus aus dem 18. Jahrhundert erhalten, saniert und mit einem fünfstöckigen Baukörper fusioniert. Im vorderen Teil an der Straße gibt es den goldenen Zubau, der unsere CI nach außen in die Stadt trägt und den Durchgang in den Hof, wo eine Treppe alle Ebenen erschließt. Daraus haben sich „organische“ Zonierungen ergeben, wie wir sie heute in vielen Großraumbüros mühevoll erzeugen. Das Herzstück unseres Büros ist der zentrale, zweigeschossige Bereich mit der Galerie im Altbau, wo alle unsere Wege zusammenführen.

ANASTASIJA LESJAK: Dieser Raum ist das pulsierende Herz, dort kann man Besprechungen machen und trifft sich immer gern. Unser Büro ist vertikal organisiert. Ich steige diese Stiege über fünf Geschosse mindestens drei Mal am Tag hinauf und hinunter. Diese Wege sind entscheidend.

MARTIN LESJAK: In unserem Büro leben wir das Prinzip eines „social hub“, dem Dorfplatz, wo sich alle treffen und die informelle Kommunikation stattfindet.

Die zentrale Galerie im Büro von INNOCAD © Paul Ott

Die zentrale Galerie im Büro von INNOCAD © Paul Ott

ISABELLA MARBOE: Was ist der Ausgangspunkt für eure holistische Gestaltung?

MARTIN LESJAK: Wir führen viele Gespräche mit Mitarbeitenden und ziehen für den Change-Management-Prozess Experten zu Rate. Dabei entwickeln wir gemeinsam mit dem Kunden eine Zukunftsperspektive und extrahieren daraus unser Leitmotiv. Nur dann kann man etwas Relevantes machen. Mit einem übergeordneten Thema aus der DNA der Firma sind gut Bezüge herzustellen. Wir haben eine Übersetzerrolle, es ist ein ständiger Erziehungsprozess.

ANASTASIJA LESJAK: Kontextuelle Gestaltung ist das Gegenteil von Beliebigkeit. Damit kann man Identifikation und Identität schaffen, nicht nur zum Unternehmen und zur gebauten Umgebung, sondern auch untereinander. In Beziehung zu treten ist ein menschliches Urbedürfnis, das in der Arbeitswelt immer mehr in den Mittelpunkt rückt. Zur holistischen Gestaltung gehört nicht nur die soziale Nachhaltigkeit, sondern auch die ökologische und ökonomische. Ich bin der Meinung, dass da wir noch mehr externe Expertise einbinden müssen.

Fractal Chapel © INNOCAD

Fractal Chapel © INNOCAD

Die Einheit von Körper, Geist und Seele ist die Voraussetzung für ein ganzheitliches Konzept. Wir kommunizieren dies bewusst, bevor wir einen Auftrag annehmen.

Fractal Chapel © INNOCAD

Fractal Chapel © INNOCAD

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