Über Wiener Stadtentwicklungsgebiete

Jahresringe der Stadt

Sonnwendviertel, Wien © Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Hört man sich nach Meinungen zu den Wiener Stadtentwicklungsgebieten um, erkennt man schnell: Alles eine Frage von Perspektive und Distanz. Zehn Jahre ist es her, dass die ersten Wohnungen in der Seestadt Aspern bezogen wurden, heute ist der hochverdichtete Satellit in Transdanubien bereits zur Hälfte fertig. Zehn Jahre hatten die WienerInnen Gelegenheit, sich in der Seestadt umzuschauen, und doch ist das Urteil aus der Distanz oft ein negatives: „Betonwüste, Hühnerställe“. Auf Nachfrage wird eingeräumt, man sei noch nie dort gewesen, habe aber Fotos gesehen und das reiche ja wohl aus. Während jene, die dort wohnen und arbeiten, dies offensichtlich sehr gerne tun und scharenweise Delegationen von BesucherInnen aus dem Ausland auf der Suche nach dem Erfolgsgeheimnis des Wiener Wohnbaus durch die neuen Gebiete stapfen.


Sicher, nicht alles hat bisher auf Anhieb funktioniert. Am markantesten war wohl die schnelle Korrektur der fugenlos durchasphaltierten Platzgestaltung im Seeparkquartier, die noch aus einer Ära stammte, in der man nach mediterran-harter Urbanität strebte. Bald darauf wussten alle, dass die Hitzesommer nach anderen Lösungen verlangen; und es wurden die bei der Wiener Stadtplanung inzwischen so geliebten „XL-Bäume“ nachgerüstet. Im Quartier am Seebogen, dem dritten Abschnitt der Seestadt, hatte man bereits dazugelernt und setzte auf unversiegelte Flächen und viel Park – auch als Ergänzung zur Erholungsfläche des Sees selbst, der sich schnell als viel zu klein erwiesen hatte.

Schon in Ansätzen sichtbar sind die Versuche, Wohnen und Arbeiten zu mischen. Die anfangs von manchen als zu Top-down kritisierte „gemanagte Einkaufsstraße“ hat sich weitgehend als Geburtshelferin für die Erdgeschossnutzungen bewährt. Der Gewerbehof Seestadt ist einer dieser Versuche, das große Experiment wird das ambitionierte Projekt „Das Seestädter“ werden, das einen kompletten Baublock mit elf Häusern als „Co-kreative Nachbarschaft“ mit Atelierhäusern, Werkstätten und Wohnungen entwickelt. So lassen sich in der Seestadt, mehr als in allen anderen Wiener Stadtentwicklungsgebieten, die Paradigmenwechsel der Stadtplanungs- und Wohnbaudiskurse wie an den Ringen eines Baumes ablesen. Gleichgeblieben ist über die Jahre das explizite Ziel, hier keine Siedlung...

Sie möchten weiterlesen? Dieser Beitrag ist Teil unserer Ausgabe 4/2024. Der Volltext ist ab Seite 46 zu finden.


 

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