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Nordbahnhof Paris – eine umstrittene Debatte

Gare du Nord Paris

Paris will sich für die Olympischen Spiele als Metropole des 21. Jahrhunderts profilieren. Als neuralgischer Knoten erweist sich der Nordbahnhof, der mit seinen täglichen 700.000 PassantInnen bereits jetzt völlig überlastet ist. 2024 wird der Verkehr der Olympischen Spiele hinzukommen die im nördlichen Vorort Saint-Denis stattfinden werden. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, wird seit 2014 an der Neuorganisation des Bahnhofs gearbeitet.


Als Paris im Jahr 2017 den Zuschlag für die Organisation der Olympischen Spiele erhielt, wurde dem Stadtentwicklungsgesetz ein Artikel hinzugefügt, der eine rasche Umgestaltung des Nordbahnhofs ermöglicht. Um die Projektfinanzierung und Auftragsvergabe zu beschleunigen, erhielt die Bahngesellschaft die Erlaubnis, eine öffentlich-private Partnerschaft zu gründen, die es ermöglicht, private Investoren für Infrastruktur- und Stadtentwicklungsprojekte heranzuziehen und dabei – als Aktionär – die Kontrolle zu bewahren. Doch inwieweit können dabei öffentliche Interesse gewahrt werden? Der mitten in der Stadt gelegene Verkehrsknotenpunkt ist als Baugrund hochbegehrt.

Die Immobilientochter Ceetrus der französischen Supermarktkette Auchan möchte zukünftig auf dem Bahnhofgelände zusätzliche 100.000 m² bauen, davon 20.000 m² Geschäftsflächen, die keck als „espace de vie“ (Lebensraum) bezeichnet werden.

 

Als im Herbst 2019 das von Valode & Pistre ausgearbeitete Projekt bekannt wurde, war klar, dass in erster Linie an den optimalen Warenverkauf und nicht etwa an die Bedürfnisse und Interessen der Passagiere gedacht wurde: Denn diese dürfen nicht mehr direkt zu den Bahnsteigen gehen, sondern müssen sich zuerst durch ein östlich vom Bahnhof geplantes sechsgeschossiges Einkaufszentrum schleusen lassen, um dann umständlich über Brücken und Rolltreppen zu den Bahnsteigen zu gelangen. Dies bedeutet nicht nur Zeitverlust, sondern auch Stress, so die Kritik einer – aus berühmten ArchitektInnen zusammengesetzten – Protestgruppe, darunter Jean Nouvel und Dominique Perrault.

Dominique Perrault

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