Unsere Städte im Würgegriff von Digitalkonzernen

Was ist Plattform-Urbanismus?

Loungeatmosphäre im Innenhof des österreichischen Pavillons

Österreichs Biennale-Beitrag 2021 von Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer befasst sich mit „Plattform-Urbanismus“ – und dem wachsenden Unbehagen, das die inflationäre digitale Kontrolle unserer Umwelt schafft. Es ist eine Grundlagenforschung, die nötig ist, um Kritik und Bewusstseinsbildung zu entwickeln. Und letztlich Widerstand zu organisieren sowie alternative, demokratische Formen des Zusammenlebens. Ein kurzer Führer durch beunruhigende Beobachtungen und fesselnde Theorien.


 

„Willkommen im Leben der Platform City“, sagen die Kuratoren: Der urbane Alltag unserer digitalen Gegenwart gleiche einer exklusiven Clubmitgliedschaft mit allen Annehmlichkeiten und zahlreichen Privilegien. Mit beträchtlichem Aufwand und langjähriger Arbeit hätten wir uns, so Mörtenböck und Mooshammer, einen privilegierten Status erarbeitet, der es uns gestatte, unsere Rechnungen zu zahlen, Geschäfte zu machen, Reisen zu buchen, Lifestyle-Gadgets zu bestellen sowie unsere Ausbildung und jene unserer Kinder zu planen, unsere Karriere und unsere Altersvorsorge. All dies laufe über digitale Plattformen, zu denen man sich den Zutritt aber erst erarbeiten müsse. Dafür hätten wir uns sorgsam gepflegte Profile aufgebaut. Manche User seien sogar Kleinaktionäre von Plattformen, die dieses Leben ermöglichen. Sie funktionieren scheinbar mühelos, obwohl der Club auf einer komplexen Symbiose von Logistik, Technologie und Infrastruktur basiere. All dies sei eingebettet in datensensorisch aufgerüstete Umgebungen und angetrieben von künstlicher Intelligenz, die alle Dienste automatisch über verschiedenste Geräte und Plattformen synchronisiere. So entstehe ein scheinbar fugenloses, ganzheitliches Universum, das auf Tastendruck jederzeit verfügbar ist.

Peter Mörtenböck & Helge Mooshammer © Centre for Global Architecture

Peter Mörtenböck & Helge Mooshammer © Centre for Global Architecture

Plattformen fordern mit ihrem umfassenden Angebot an Direktverbindungen, interaktiven Kommunikationen und sofortigen Implementierungen den etablierten Kanon von Regierungs- und Industrieaktivitäten heraus. Sie versuchen, die Kontrolle über den Betrieb der Städte zu erlangen. Für Unternehmen wie Airbnb und Uber ist die Veränderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht mehr bloß ein Nebenprojekt, sondern ein zentraler Bestandteil ihres Geschäftsmodells.

Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer

 

Mörtenböck und Mooshamer skizzieren aber auch die potentiell dystopische Seite dieses komfortablen Lebens in der Platform City: „Eines Tages wachen wir plötzlich auf und stellen fest, dass etwas falsch läuft. Aus welchem Grund auch immer hat die Stadt, in der wir leben, einige Nutzungsbedingungen über die Service Provider geändert. Nun wird unsere aktuelle Clubmitgliedschaft nicht mehr als gültige Basis anerkannt, jene Rechte und Privilegien zu genießen, die anderen Bürgern zugestanden werden. Plötzlich finden wir uns ausgesperrt von zentralen Bestandteilen unserer täglichen Routine. Man hat keinen Zugang mehr zu seinen Accounts, man kann nicht kommunizieren, man kann nicht einmal arbeiten oder seine tägliche Versorgung sichern. Und man kann sich nirgendwo mehr neu anmelden.“ Das gesamte Konstrukt sei unter anderem auch deshalb so fragil, weil im Laufe der Zeit alle unsere Berechtigungen miteinander verknüpft worden seien: Unsere aktuellen Privilegien seien jeweils die Basis für neue – wenn aber nur ein Glied dieser Kette breche, dann versage das Gesamtsystem.

"Offstage": Doku von Prozessen und Jobs hinter dem digitalen Wunder

"Offstage": Doku von Prozessen und Jobs hinter dem digitalen Wunder

Diese Phänomene stellen uns vor gravierende Fragen: „Sehen wir das ‚Zeitalter der Plattformen‘ nur als weitere Spielart der alten Gefängnishaft, allerdings mit einer raffinierteren und heimtückischeren Internalisierung? Oder als Vorbote unbegrenzter Konnektivität, die es uns ermöglicht, Umwelten zu schaffen, die sowohl auf individuelle Sehnsüchte reagieren als auch auf kollektive Bestrebungen?“ Klare Antworten auf diese neuartigen Kulturprobleme werden vorerst nicht geboten. Stattdessen beschreiben Mörtenböck und Mooshammer im Einleitungsessay zu dem in englischer Sprache erschienenen Begleitbuch des Österreich-Beitrags der Biennale 2021, der hier als Führer durch ihr Forschungsprogramm dient, erst einmal die Breite und Tiefe der digitalen Durchdringung unseres Alltags – von der banalen Speisen- oder Taxibestellung bis zu komplexen hybriden Infrastrukturen. Natürlich ist auch das Bauen betroffen: „Es ist jetzt schon offensichtlich, dass Immobilien-Investitionen oft weniger auf dem Marktwert eines Objekts basieren als auf jenem der territorial ‚installierten‘ Dienstleistungen. Immer mehr wird die strukturelle Integration jener Dienste betont, über welche sich digitale Plattformen fugenlos mit dem Stadtgewebe verbinden. Dadurch wird die Stadt selbst zu einer umfassend steuerbaren Plattform.“ Dies sei eine fundamentale Begriffsverschiebung von Architektur als Sachgut zu Architektur als Dienstleistung.

Die Konsequenzen, so argumentieren die Autoren, seien insbesondere für die (physische) Umweltgestaltung dramatisch: Datenverarbeitungsprozesse statt planvoll errichtete Gebäude regulieren nun die Formen des Zugangs, unserer Teilhabe, der Rollendefinition und der Priviliegienzuteilung. So kann das urbane Leben selbst bewirtschaftet werden. Und die entsprechenden digitalen Prozesse können überall dort, wo sie auf lokalen Widerstand stoßen, rasch reprogrammiert werden. Außerdem „fordern Plattformen mit ihrem umfassenden Angebot an Direktverbindungen, interaktiven Kommunikationen und sofortigen Implementierungen den etablierten Kanon von Regierungs- und Industrieaktivitäten heraus. Sie versuchen, die Kontrolle über den Betrieb der Städte zu erlangen (…) Für Unternehmen wie Airbnb und Uber ist die Veränderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht mehr bloß ein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Bestandteil ihres Geschäftsmodells.“

Beiträge von Bloggern zum Phänomen des Plattform-Urbanismus

Beiträge von Bloggern zum Phänomen des Plattform-Urbanismus

Die Architektur einer Stadt diene heute auch als effektives Mittel, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Über digitale Plattformen erreichen lokale Events globale Präsenz: „Wie beim Home staging, das ein wichtiges Präsentationstool von Wohnimmobilien für potentielle Käufer geworden ist, sehen wir jetzt ein Plattform-basiertes ‚City staging‘, das als ästhetische Unternehmung um die Gunst von Investoren, Dienstleistern und Bewohnern wirbt.“ Mit der Verfügbarkeit digitaler Stadt-Services wiederum können erwünschte und qualifizierte Zuzügler jederzeit mühelos integriert werden.

In bester Tradition taxativer Architektur-Regelwerke seit der Antike (von Vitruvs Zehn Büchern über Serlios Sieben Bücher und Palladios Vier Bücher bis zu Ruskins Seven Lamps of Architecture) beschreiben Mörtenböck und Mooshammer nach dieser Schilderung des Status Quo sieben aktuelle Schauplätze („operational theatres“) des spekulativen Plattform-Betriebs: Die Frage der Zugangskontrolle (Access is the new capital), die Nachfrage-Stadt (City on demand?), eine entfesselte Maßstabslosigkeit (The collapse of scale), die Emotionalisierung des Plattform-Lebens (The platform is my boyfriend), die Ubiquität des Ichs (Monuments of circulation – ‚I‘ is everywhere), die Natur digitalen Datenmaterials (Data is a relation not a property) und der Begriff des Öffentlichen (The future is public). Im folgenden kurze Erklärungen dazu.

Zugangskontrolle: Leben im Abo-Modell? (Access is the new capital)

Der Zugang zur Stadt als Inbegriff des Gemeinwesens hat sich seit der Antike von der massiven Stadtmauer und ihren bewachten Toren bis zu den digitalen Codes unserer Tage entwickelt. Parallel immaterialisierten sich Nutzungsweisen vom eigenen Immobilienbesitz (Autobesitz, Produktionsmittel) zum temporären Zugang, etwa in Form von Miete. Kritisch bemerken die Autoren dazu: „Das romantische Bild ‚ballastbefreiter‘ digitaler Nomaden hilft nur allzu oft dabei, neue Formen wirtschaftlicher Ausbeutung, des Prekariats und der Armut zu tarnen sowie die Aufmerksamkeit vom zunehmend globalen Networking der Eigentümerstrukturen abzulenken (…) So wird die Teilhabe an der Gestaltung unserer eigenen Arbeits- und Lebensbedingungen zum kostenpflichtigen Abo-Modell.“ Und: „Das Versprechen der Plattformen, den perfekten Zugang zu bieten, ist inhärent an Akte des Ausschlusses gebunden. Digitalkonzerne schließen alles aus, was in ihre Dienste eingreifen könnte, und sie schließen jene Personen von Möglichkeiten und Vorteilen der Stadt aus, die zufälligerweise nicht auf den betreffenden Plattformen aktiv sind.“

Das Buch zum österreichischen Biennale-Beitrag: Theorie des digitalen Städtebaus

Das Buch zum österreichischen Biennale-Beitrag: Theorie des digitalen Städtebaus

Aber es gibt auch Hoffnung: „Indem das Tarnen und Täuschen des Plattform-Urbanismus sichtbar gemacht wird, kommen heute neue Formen des politischen Aktivismus auf. Sie könnten zum Katalysator einer Abkehr vom Verständnis des Zugangs (access) als Management- und Wirtschaftsthema in Richtung Access als politischer Prozess werden. Diese aktivistischen Bemühungen jenseits aller verzerrter Machtdynamik der Kapitalanhäufung definieren Access als kollektive Verantwortung, als Akt der Liebe und Großzügigkeit, geschaffen mit Zuwendung. Dieses Bestreben und seine Dynamik scheint ein politisches Projekt anzutreiben, das sich gegen eine unverbindliche, unbeschränkte Austauschbarkeit von Werten richtet und neue gesellschaftliche Ziele schafft, die auf verschiedenen geteilten Werten beruhen.“

Die Nachfrage-Stadt (City on demand?)

In diesem Punkt argumentieren die Autoren, dass das Versprechen des Plattform-Urbanismus von schnellem und ungehindertem Zugang immer anspruchsvollere Erwartungen an das Leben in Städten befeuere. Anforderungen, Verlangen bzw. Nachfrage im marktwirtschaftlichen Sinne präge zunehmend unser Zusammenleben: „Wir werden von ständigen Forderungen überwältigt, produktiver zu werden, kreativer, sorgsamer, emphatischer, mehr von allem.“ Das fände sein Spiegelbild in der Forderung, „weniger zu verschwenden, weniger ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen und weniger von anderen abhängig zu sein, indem man sich selbst ‚optimiert‘ und seine Bedürfnisse selbst befriedigen kann.“ Letztlich würden dann auch von Städten alle möglichen Leistungen „verlangt“ – und digitale Plattformen scheinen diese Forderungen zu erfüllen. Dies führe – gleichsam als Durchschnitt aller Wünsche – auch zu immer uniformeren und gleichförmigeren Stadtbildern. Zu beobachten sei ferner „eine Dreiecks-Logik aus Nachfrage kanalisieren, entsprechende Dienstleistungen lizensieren und den Zugang regulieren.“ Als Bautyp gehörten etwa auch Co-Working- und Co-Living-Plattformen dazu, die zunehmend die Stadtentwicklung prägen und das traditionelle feste Wohnen und Arbeiten von Familien und Individuen zu ersetzen drohen. Die angebliche Flexibilität sei jedoch erneut eine „Tarnung“ der „Affekt-Ökonomie“ (affective economy), die erst Bedürfnisse stimuliere und sie danach schlicht ausbeute.

Analog versus digital: Reale und virtuelle Stadt-Elemente im Österreich-Pavillon

Analog versus digital: Reale und virtuelle Stadt-Elemente im Österreich-Pavillon

Entfesselte Maßstabslosigkeit (The collapse of scale)

Architektur, so die Autoren, werde heute zum Inszenierungs-Komplizen virtueller Begegnungen. Sie übernehme die Aufgabe, die richtige Stimmung für diese Interaktionen zu liefern und sie ‚instagramable‘ zu machen: „Architektur und Lifestyle gehen einen neuen Bund ein, in dem ersterer die Aufgabe zufällt, die letztere zu illustrieren.“ So ergebe es sich, dass Details wichtiger werden als das große Ganze und damit jede Maßstäblichkeit kollabiert. Hand in Hand damit ginge der Verlust an validen Beziehungsrahmen unseres Zusammenlebens, „einer Einbettung in institutionelle, politische und soziale Ordnungen“. Der (soziale) Raum werde durch Logistik und Zirkulation ersetzt.

Emotionalisierung des Plattform-Lebens (The platform is my boyfriend)

„Selten“, so Mörtenböck und Mooshammer, „findet man so viel Aufmerksamkeit für unsere Gefühle wie auf den digitalen Plattformen. ‚Likes‘, ‚smileys‘, ‚Tränen der Freude‘, ‚Traurigkeit‘, ‚Abscheu‘ und viele weitere emotionale Indikatoren können mit einfachem Mausklick versendet werden.“ So werden Plattformen zu unseren besten Freunden. Die damit generierten Daten machen jedoch jeden (emotionalen) Wert quantifizier- und damit berechenbar: „Die Plattform-Technologie agiert als Dispositiv, durch welches Gefühle sowohl ausgedrückt als auch geformt werden, in Übereinstimmung mit der potentiellen Nutzung jener Daten, die sie herzustellen helfen.“ So liege auch hier ein ökonomischer Ausbeutungsmechanismus zugrunde: „Die Fähigkeit der Plattformen, sich mit uns ‚anzufreunden‘, ist ein entscheidender Parameter der Tarnung ihrer Ausbeutung von Gefühlsarbeit als Ausweg aus alltäglicher ‚entfremdender‘ Arbeit in Richtung einer neuen Welt der Freuden.“

Die Ubiquität des Ichs (Monuments of circulation – ‚I‘ is everywhere)

„In den wenigen vergangenen Jahren seit ihrem erstmaligen Auftreten“, sagen die Autoren, „wurden Plattformen zur dominierenden Form zeitgenössischer Infrastruktur, wenn es darauf ankommt, permanente Bewegung zu ermöglichen.“ Ein Beispiel dafür ist die andauernde Zirkulation, die Plattformen benötigen, um zu funktionieren: Tweets, Kommentare, Traffic, Klicks, Impressions, Conversions. „Das hat eine neue Art räumlicher Typologien hervorgebracht, die als unmittelbare Anzeiger von Aktivität fungieren, sowohl als Instrument als auch als Dokument von Bewegung.“ Heruntergebrochen auf reale gebaute Strukturen bedeutet das: „Vom EPFL Rolex Learning Center bei Lausanne (2010) und seinen endlos mäandrierenden Korridoren, die einen ständigen Austausch von Ideen und Gesprächen stimulieren, bis zu den ringförmigen Apple-Headquarters in Cupertino (2017) und ihrem Arbeit-Leben-Spiel-Konzept, das die unausweichlichen Bedingungen der Mobilität, Konnektivität und Leistung zelebriert, werden wir mit einer Flut an Gebäuden konfrontiert, die von ihren Nutzern ständige Aktivität einfordern und versuchen, maximalen Wert aus deren kommunikativen Fertigkeiten zu ziehen.“

Bautypen des digitalen Zeitalters

Bautypen des digitalen Zeitalters

Der Schluss, den die Forscher daraus ziehen, ist abermals ernüchternd: „Die neue Korrelation zwischen konkreter lokaler und ubiquitärer Zirkulation illustriert den absichtlich schizophrenen Charakter der Plattformen: ihre Fähigkeit, überall zu erscheinen, aber nirgendwo ansässig zu sein, stets in Kontakt zu bleiben, aber niemals auf Tuchfühlung zu gehen.“

Die Natur digitalen Datenmaterials (Data is a relation not a property)

Hier wird der Autor Jathan Sadowski zitiert, der über unsere „Dialoge” mit digitalen Plattformen sagte: „Während Smart Tech immer mehr Kontrolle übernimmt […], gibt es wenig bis gar keine Gelegenheit für den Dialog, der das Kennzeichen menschlicher Beziehungen ist. Stattdessen sind diese Interaktionen im Kern rigide und gebieterisch statt kommunikativ.“ So wird in diesem Abschnitt erstmals zu einer Art Widerstand und zur Entwicklung eines anderen Umgangs mit Daten aufgerufen: „Statt  Daten als Stimulans der neoliberalen Marktwirtschaft zu behandeln, könnten wir nun damit beginnen, ihnen mehr positive Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und ihr Dissens-Potential zu erkennen, als Vermittler einer neuen Art des Gemeinsamen, als etwas, das gemeinschaftlich in Städten auf der ganzen Welt geschaffen, verwaltet und gepflegt wird.“

Der Begriff des Öffentlichen (The future is public)

Dieser sich zart regende Widerstand wird im Abschnitt über das Öffentliche verstärkt: „Angesichts der Tatsache, dass unsere urbanen Umwelten nicht nur größer und besser vernetzt werden, sondern auch zunehmend unbewohnbar für immer mehr Menschen wegen der Beanspruchung des öffentlichen Bereichs durch das Kapital, gibt es eine echte Notwendigkeit, Formen des Dissens und der Intervention zu kultivieren, die den rhetorischen Manövern, ungreifbaren Identitäten, nicht-deklarierten Strategien und getarnten politischen Agenden der Profiteure des Plattform-Urbanismus begegnen.“ – So rufen die Autoren schließlich zur Rekonstruktion und Restitution der ältesten Funktionen des Bauens auf: „Angesichts der deprimierend technokratischen und Ökonomie-getriebenen Betrachtung der Stadt lohnt es sicherlich, einen Begriff von Architektur und Stadtraum als öffentliche Infrastruktur zurückzufordern, als Ort von Dissens, Kritik und Widerstand.“

Österreich-Pavillon: Kritik des Plattform-Urbanismus

Österreich-Pavillon: Kritik des Plattform-Urbanismus

Darüber hinaus bieten Mörtenböck und Mooshammer in ihrem hier besprochenen programmatischen Einleitungsessay zum Begleitbuch des österreichischen Biennale-Beitrags aber keine konkreten Handlungsanweisungen, wie man die willkürlichen und demokratisch niemals legitimierten Spielregeln „privater“ (aber letztlich öffentlich wirksamer) Plattformen unterlaufen könnte oder etwa per Gesetz konkret anpassen sollte. Ihre Arbeit ist eine Grundlagenforschung und dient primär der Bewusstseinsbildung, die allerdings eine notwendige Voraussetzung für zukünftige demokratische Änderungen im Sinne eines gedeihlichen Gemeinwesens ist: „Digitale Plattformen und ihre Interaktion mit der gebauten Umwelt zur öffentlichen Angelegenheit zu machen – wie wir es in unserem Buch versuchen –, ist ein erster Schritt um sicherzustellen, dass der Weg in die Zukunft von vielen bestimmt wird und nicht von wenigen.“

Das Buch zur Ausstellung im Österreich-Pavillon bringt mit 40 weiteren Beiträgen zu den sieben Thesen der Herausgeber aus den Federn von Experten aus aller Welt viel weiteres Material, aus dem sich neue Strategien des Umgangs mit dem "digitalen Städtebau", wie man das Phänomen auch nennen könnte, herauslesen lassen. Der Umfang von 472 Seiten macht es zum unverzichtbaren Reader in der Auseinandersetzung mit dem Thema. Beigetragen haben u.a. Ross Exo Adams, Tom Avermate, Lucia Babina, Jochen Becker, Ofri Cnaani, Peggy Deamer, Pedro Gadanho, Benjamin Gerdes, Orit und Tal Halpern, Owen Hatherley, Gabu Heindl, Leo Hollis, Into the Black Box Collective, Andreas Kofler, Bernadette Krejs, Maros Krivý, Peter Lang, Daniel Cardoso Liach, Mona Mahail und Asli Serbest, Jonathan Massey, Louis Morreno, Gerald Nestler und Sylvia Eckermann, Vyjayanthi Rao, Fairwork Project, Scott Rodgers und Susan Moore, Edgar Pieterse, Manuel Shvartzberg Carrió, Dougla Spencer, Mathew Stewart, Ravi Sundaram, Tiziana Terranova, This Machine Kills, Slutty Urbanism, Ignacio Valero, Mathias Viegener sowie Alan Wiig.

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