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Mit dem Arvo Pärt Centre im Norden Estlands schufen Nieto Sobejano Arquitectos in engem Dialog mit der Natur sowie der Musik des Künstlers ein lebendiges Veranstaltungszentrum sowie gleichermaßen einen Ort der Ruhe und der Arbeit. Die Eröffnung des Zentrums ist Teil der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der Republik.


Momente der Stille

Musik spielt in den baltischen Ländern seit Jahrhunderten eine große Rolle. Sie gab den Menschen die Kraft, während wechselnder Fremdherrschaften den inneren Zusammenhalt zu wahren. Mit Arvo Pärt hat Estland einen großen lebenden Komponisten neuer Musik. Tiefe Wertschätzung wird ihm im eigenen Land sowie weltweit entgegengebracht. „Mystische Tiefe“ oder „Innigkeit und Expressivität“, so begründet die Fachwelt die Faszination für Pärt. Geschult an spiritueller mittelalterlicher Musik und gregorianischem Gesang, war er ebenso einer der ersten Musiker in Estland, der in Zwölftontechnik komponierte. Seine gleichermaßen ruhige wie kraftvolle Musik berührt. Das gilt für seine geistlichen Chorwerke wie ebenso für ein Stück wie Tabula Rasa von 1977. Die 23 Minuten lange Komposition nimmt den Zuhörer mit bewegenden Geigenstimmen und Momenten der Stille, in denen kein einziger Ton zu hören ist, gefangen. Geprägt von sparsamer Notation und strengen Regeln gehört sie zu Arvo Pärts charakteristischem Tinntinnabuli-Stil. So wurde er im Westen bekannt, im eigenen Land blieb er unter dem Sowjet-Regime ein unbequemer Avantgarde-Künstler. 1980 musste Arvo Pärt mit seiner Familie emigrieren. Zunächst für ein Jahr nach Wien, wo er die österreichische Staatsbürgerschaft annahm, dann nach Berlin. 2010, nach drei Jahrzehnten, kehrte er nach Estland zurück.

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Mystische Tiefe oder Innigkeit und Expressivität

so begründet die Fachwelt die Faszination für Pärt

 

Einfach, radikal, authentisch

Mit Arvo Pärts Rückkehr kam seine umfangreiche Sammlung an persönlicher Korrespondenz, Manuskripten, Audio- und Videoaufnahmen nun vollständig zurück in sein Heimatland. Auf Initiative der Familie wurde im gleichen Jahr die Arvo Pärt Stiftung gegründet. War zuerst nur an die öffentliche Zugänglichkeit der Materialien gedacht, entwickelte sich die Idee weiter zu einem Musik- und Forschungszentrum für die Musik Arvo Pärts sowie anderer Künstler, in dem vermittelt, studiert und aufgeführt werden soll, der Meister aber auch selbst wirken wird. 2014 wurde der internationale Wettbewerb dazu ausgeschrieben. Der gewählte Ort liegt nicht in der Hauptstadt Tallinn, sondern in Laulasmaa, rund 30 Kilometer entfernt auf einer Halbinsel in Kiefernwäldern. Ein Besuch im Arvo Pärt Centre sollte bewusst geplant sein, so Michael Pärt, Sohn des Komponisten und Direktor des Zentrums. In Laulasmaa lebte der Lehrer des Künstlers sowie mittlerweile auch Arvo Pärt und seine Frau Nora.

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Der Siegerentwurf des renommierten spanischen Architektenpaars Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano antwortete auf die Ausschreibung, die unter anderem „Einfachheit“ und „Radikalität“, „Askese“ und „Wärme“ forderte, in ihrem Beitrag „Tabula“ mit einem organischem Gebäude mit flexibel nutzbaren Raumsequenzen, das in enger Bezugnahme zur Natur sowie zur Musik des Künstlers entwickelt wurde. (...)

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