Martin Kohlbauer

Umbau, Zubau und Sanierung Bürogebäude Younion

Gebäude

Elastisch-metallische Werkstoffe spielen gerade bei Umbau, Zubau und Sanierung eine wichtige, kreative Rolle. Martin Kohlbauer zeigt in einem Wiener Bürogebäude, welch überraschenden Mehrwert man so aus einem unauffälligen Nachkriegsbestand schöpfen kann.


Urbaner Auftritt

Das alte Bürohaus der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten verströmte die typische Stimmung der Wiederaufbauzeit: Strenge Fassaden mit monotonen hochformatigen Fensterreihen, heroische Skulpturen am Portal, enge und verwinkelte Gänge und Büros im Inneren. Damals demonstrierte die Gewerkschaft eher Distanz und ein respektgebietendes Selbstbewusstsein statt jenen kundenorientierten Servicegedanken zu kultivieren, der heute bei Interessensvertretungen ohne Zwangsmitgliedschaft im Vordergrund steht. Aus der traditionsreichen Institution wurde 2009 durch Fusion mit der Gewerkschaft für Kunst, Medien, Sport und freie Berufe eine größere Teilgewerkschaft innerhalb des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, die sich seit 2015 „Younion – Die Daseinsgewerkschaft“ nennt. Sie vertritt nun die Interessen eines kunterbunt gemischten Klientels aus rund 150.000 Beschäftigten in Gemeindeverwaltungen, Gesundheitsberufen, Verkehrs- und Energiebetrieben, aber auch freiberuflich aktiven sowie angestellten Künstlern und Journalisten. 

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Im Dezember 2012 schrieb man einen geladenen Wettbewerb für die Umgestaltung des alten Hauptsitzes in der Maria-Theresienstraße aus, die parallel zur Wiener Ringstraße verläuft. Man wollte die klassische Blockrandbebauung an einer Straßenecke des Gründerzeitquartiers haustechnisch sanieren, erweitern, mit neuen Funktionen versehen und insgesamt einladender und großzügiger machen: „Ein urbaner, zeitgemäßer Auftritt sollte mit einfachen Mitteln hergestellt werden“, erklärt Martin Kohlbauer.

Ein urbaner, zeitgemäßer Auftritt sollte mit einfachen Mitteln hergestellt werden.

Martin Kohlbauer

 

Raum und Licht

Den Wettbewerb gewann Kohlbauer mit einer Reihe einleuchtender Vorschläge: Ein Trakt würde verbreitert werden, Lobby und Servicezone im Erdgeschoß konsequent geöffnet, der Saal im Untergeschoß neugestaltet und zusätzliche Funktionen in einer großzügigen Aufstockung platziert. Eine wesentliche Rolle spielte für die Sanierung und die Außenwirkung natürlich die Fassade, die komplett neu entworfen wurde. Diese Ideen überzeugten und wurden praktisch ohne Abstriche realisiert. Schon von außen ist das strenge alte Haus nicht wiederzuerkennen: Ein neuer Erker setzt einen ersten skulpturalen Akzent, der in der gegebenen Umgebung zweifellos notwendig ist und nun Signale in die lange Achse der Maria-Theresienstraße, aber auch in die querende Liechtensteinstraße sendet.
Neben dem Erker beindruckt an der neuen Fassade aus Metallelementen die klare Organisation und plastische Strukturierung. Der Rhythmus wird mithilfe vertikaler Lamellen an den nunmehr vergrößerten Fensteröffnungen hergestellt. 

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Die Lamellen bestehen aus perforiertem Alublech und sind zusätzlich mit LED-Lichteffekten ausgestattet. Das Informationslokal neben dem U-Bahn-Abgang im Haus dominiert die Erdgeschoßzone an der Straßenecke. (...)

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