Architektin Todorka Iliova im Porträt - Ihr aip-Vortrag fiel Corona zum Opfer, wird aber nachgeholt

Architektur mit Tiefgang

Haus der Pfarre Glanhofen, nominiert zum Bauherrenpreis 2016 von Helmut Dominikus, Ralf MIkula und Todorka Iliova Photo: Gerhard Maurer

Die Liebe zu Natur und Landschaft ist in der Architektur von Todorka Iliova immer spürbar. Ihr Herz schlägt vor allem für Projekte, die das Land stärken.


 

Ihre Kindheit verbrachte Todorka Iliova am Bauernhof der Großeltern. In Bulgarien stehen Häuser am Land an der äußersten Grundgrenze, das heißt: Der Weg zum Haus führt durch blühende Wiesen, an Obstbäumen und Gemüse vorbei. „Ich bin als Kind jeden Tag durch Weinreben gelaufen, die hundert Jahre alt waren. Ich hatte in diesem Garten viel Raum, mich frei zu bewegen“, erinnert sich Iliova. Der schulbedingte Umzug in einen Plattenbau in Sofia war für sie ein Riesenschock. Diese tiefgreifend negative Erfahrung weckte in ihr den Wunsch, Architektin zu werden. „Ich war sehr gut in Geometrie und hatte ein außergewöhnliches räumliches Verständnis.“ Familiäre Vorbilder gab es keine. Ihre Mutter war Zahnärztin, der Vater hatte Elektrotechnik studiert. Er nahm Architektur nicht weiter ernst.

Architektin Todorka Iliova Photo: Raimund Wulz

Iliova begann mit Bauingenieurwesen in Sofia, 1993 zog sie zum Architekturstudium nach Graz. „Es war die beste Zeit, die Berühmtheiten der Grazer Schule waren alle noch da, die Stimmung war einmalig.“ Am meisten beeindruckte sie Giselbert Hoke. Er lehrte künstlerische Gestaltung. „Er vermittelte uns, die Dinge in Liebe und Ernsthaftigkeit wahrzunehmen. Alles hat immer auch eine emotionale Komponente.“ Hokes Unterricht im alten Wirtschaftstrakt von Stift Rein prägte sie stark. „Es war ein eigenes Universum.“ Auch ihr Diplom widmete sie der Natur: Sie untersuchte, welche Landschaftszüge sich in den Industriebrachen von Aberdeen bilden.

Ihr erstes eigenes Projekt war der Entwurf eines Tageszentrums im bulgarischen Aprilzi, das ein dortiger Partnerarchitekt ausführte. Damals begann die Zusammenarbeit mit Helmut Dominikus und Ralf Mikula, später bauraum architekten in Klagenfurt. Gemeinsam siegten sie beim Wettbewerb für das Haus der Pfarre Glanhofen, das zum Bauherrenpreis 2016 nominiert war. In diesem schlichten Baukörper aus rauem Sichtbeton, den die horizontalen Abdrücke der Schalungshölzer strukturieren, zeigt sich viel Gespür für den Ort. Er harmoniert wunderbar mit Wiese, Kirche und Baum, bietet schöne Ausblicke und bildet mit der Kirche einen geschützten Hof zum Spielen im Freien.

Haus der Pfarre Glanhofen, nominiert zum Bauherrenpreis 2016 von Helmut Dominikus, Ralf Mikula und Todorka Iliova Photo: Gerhard Maurer

Haus der Pfarre Glanhofen, nominiert zum Bauherrenpreis 2016 von Helmut Dominikus, Ralf Mikula und Todorka Iliova  Photo: Gerhard Maurer

Mehr über Todorka Iliova und ihre Architektur lesen Sie in

architektur.aktuell 03/2020

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