25. Forum Holzbau in Innsbruck

Visionäres Weiterbauen mit Holz

Leuchtturmprojekt: Der Gare Maritime in Brüssel, einst Europas größer Güterbahnhof, wird von CFE Bouw Vlanderen komplett umgebaut. Holzplanung- und Ausführung übernimmt ZÜBLIN Timber Photo: Extensa

Der Umzug in den Innsbrucker Congress brachte dem Forum Holzbau zum 25-Jahr-Jubiläum einen Rekord: Hatte das internationale Podium für Holzbauer diesmal doch mit 2.450 Teilnehmern so viele wie noch nie und  mit 165 Ausstellern 30 mehr als im vergangen Jahr.


Dass der traurige Zustand unserer Umwelt das Nachdenken darüber befeuert, wie auch im Zusammenhang mit dem Bauen CO2-Emissionen möglichst vermieden werden können, spielt erfreulicherweise dem Bauen mit Holz in die Hand. Er adelt Holz als ständig nachwachsendem und zu hundert Prozent recycelbarem Baustoff für viele zum absolut besten, den es heute gibt. Woran es allerdings noch hakt, sind die rechtlichen Rahmenbedingungen, die etwa für den Darmstädter Architekten Felix Waechter dringend verbessert beziehungsweise EU-weit vereinheitlicht gehörten.

Visionärer Sakralbau aus Holz: Cambridge Mosque von Marks Barfield Architects Photo: Blumer-Lehmann AG

Visionärer Sakralbau aus Holz: Cambridge Mosque von Marks Barfield Architects  Photo: Blumer-Lehmann AG

Dass eine Tagung, bei der es sehr viel um Normen, neue Verbindungstechniken, aber auch zukünftige digitale Herausforderungen geht, von einem „special guest“ wie dem indischen Architekten Bijoy Jain vom indischen Studio Mumbai bereichert wird, verwundert nicht. Der 54-Jährige ist in Mumbai geboren und aufgewachsen, bevor er in Washington Architektur studierte. Nach einigen Praxisjahren, während derer u.a. bei Richard Meier arbeitete, kehrte er in seine Heimat Indien zurück. Hier in Innsbruck am Forum Holzbau holte er die technikverliebten Holzbauer auf den Boden der Realität zurück, indem er von seinem ganz anderen Zugang zum Bauen erzählte. Den oft verschwimmenden Grenzen zwischen Natur und Architektur, die gerade in Indien, einem Land des ständigen Wandels, wo auch die Grenzen zwischen informellem und legalem Bauen nicht exakt zu ziehen sind, ständig präsent sind.(....)

Umwandlung einer alten Kartonagenfabrik in ein visionäres Quartier: Bernapark Photo: David Schmucki

Umwandlung einer alten Kartonagenfabrik in ein visionäres Quartier: Bernapark  Photo: David Schmucki

Pragmatischer hörten sich im Gegensatz dazu die Vorträge an, in denen es etwa um die Revitalisierung und Umnutzung bestehender Strukturen ging. Ein Gebot der Stunde in unseren ständig wachsenden urbanen Ballungsräumen, deren weiterem Ausfransen nur eine Verdichtung nach innen einigermaßen Paroli bieten kann. Gerade aus statischen Gründen ergeben sich diesbezüglich für den Holzbau riesige Chancen mit dem Ergebnis bisweilen hochwertiger Hybride.(.....)

Dass Holz als Baustoff in die Stadt zurückkehrt, davon sind auch die Schweizer Nik Stuber und Markus Steiner (Stuber & Cie) überzeugt, die mit dem Bernapark eine seit Jahren stillgelegte, rund hundert Jahre alte Kartonagenfabrik in ein visionäres Quartier zum Wohnen und Arbeiten verwandelt haben. Das Projekt wurde gemeinsam mit dem Investor sechs Jahre lang entwickelt beziehungsweise geplant, was ein tricky Unterfangen war, nicht zuletzt deshalb, weil eine der 300 Meter langen Fassaden unter Denkmalschutz steht. Außerdem mussten die zwei zusätzlichen Stockwerke, die auf den Bestand gesetzt wurden – wie in der Schweiz üblich – von der Bevölkerung abgewinkt werden. 2018 wurde mit dem Umbau des Fabrikareals in ein attraktives Stadtquartier begonnen. Mit viel Holz, war doch etwa aus statischen Gründen Holz die einzige Option für den Bau der neuen zwei Geschosse.

Gare Maritim in Brüssel im Auf- und Umbau Photo: Achim Birnbaum Architekturfotografie

Gare Maritim in Brüssel im Auf- und Umbau Photo: Achim Birnbaum Architekturfotografie

Eine höchst spannende Geschichte ist auch die Verwandlung des ehemals größten Güterbahnhofs Europas in einen attraktiven Ort zum Flanieren und Arbeiten. Das mitten in Brüssel liegende Bestandsgebäude wurde um 1900 im Stil des Jugendstils erbaut, um in den letzten Jahren mehr und mehr zu vergammeln. Bis ein Projektentwickler das riesige Areal gekauft hat, mit dem ehrgeizigen Ziel, es für Menschen nutzbar zu machen.  Im linken bzw. rechten Flügel der dreischiffigen Halle sollen nach den Plänen eines holländischen Architekturbüros zehn, je 40 mal 40 Meter große, aus Holz gebaute Viergeschosser für Büros entstehen, die mittlere soll zur spektakulären Indoor-Flaniermeile inklusive zentralem Boulevard und Grünanlagen werden. Dass hier Visionäre am Werk sind, ist Heinz Thurik überzeugt, dessen Holzbaufirma ZÜBLIN Timber den Zuschlag für die Ausführung bekommen hat. Ein Projekt, das die erfahrenen Holzbauer laut Thurik an ihre Grenzen gebracht hat.

Mehr dazu lesen Sie in unserer Ausgabe

architektur.aktuell 01-02/2020

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