The next ENTERprise, Heidi Horten Collection, Wien © Rupert Steiner

Ein ehemaliges Kanzleigebäude in der Baugruppe um die Albertina in Wien wurde mit subtilen baukünstlerischen Interventionen zum State-of-the-Art-Museum einer prominenten Kunstsammlung verwandelt.


 

Von der Reitschule zum Museum

Um die Werke ihrer Kunstsammlung in einem eigenen Museum in ihrer Heimatstadt dauerhaft öffentlich zugänglich zu machen erwarb Heidi Goëss-Horten ein ehemaliges Nebengebäude der ausgedehnten Wiener Residenz von Erzherzog Friedrich, einem Cousin zweiten Grades von Kaiser Franz Josef. Dieser Komplex aus Wohn-, Verwaltungs- und Stallungsgebäuden zwischen Staatsoper und Hofburg war seit der Errichtung des Stadtpalais des großen Kunstsammlers Herzog Albert von Sachsen-Teschen an der Augustinerbastei 1801-1805 durch Louis Montoyer entstanden. Sammlung und Haus wurden später Albertina genannt. Unter Friedrich, der den gesamten Besitz 1895 in vierter Generation geerbt hatte, umfasste er auch eine Gruppe an Verwaltungsgebäuden, die 1862 anstelle der für den Bau der Ringstraße abgerissenen Augustinerbastei errichtet worden war. Im Innenhof der Blockrandbebauung stand eine 20 x 40 m messende Reithalle, die 1914 von Friedrich durch ein modern konstruiertes, mehrgeschossiges Kanzleigebäude in traditionalistischen Barockformen ersetzt wurde. Dessen Erdgeschoss diente als Garage für die neuen Automobile des Erzherzogs, während die beiden Obergeschosse und das Mansarden-Dachgeschoss für Büros und Mitarbeiterwohnungen genutzt wurden. 1919 wurde Friedrichs Besitz verstaatlicht und anschließend von den österreichischen Staatstheatern genutzt. 1999 wurden diese aus der Bundesverwaltung ausgegliedert. Das ehemalige Kanzleigebäude wurde 2014 an einen Privatinvestor verkauft, von dem es Heidi Goëss-Horten 2019 erwarb. Aus einem kleinen geladenen Wettbewerb für den Umbau, an dem sich die Berliner Büros Ortner & Ortner Baukunst und Kuehn Malvezzi sowie the next ENTERprise aus Wien beteiligten, gingen die letzteren als Sieger hervor und planten die Transformation in ein zeitgenössisches Kunstmuseum auf der Höhe der aktuellen Möglichkeiten.

Drei Interventionen

Auf Wunsch der Bauherrin sollten die historischen Fassaden des Hauses erhalten bleiben, um den romantischen Charakter eines versteckten kleinen Palais im Innenhof eines alten Gebäudekomplexes zu evozieren. Um die geforderten Museumsfunktionen dennoch mit viel Eleganz und zeitgenössischem Esprit zu liefern, ersannen die Architekten drei Interventionen. Zunächst sollten sich die Innenräume des Museums einladend in die anliegenden Außenräume erweitern:

The next ENTERprise, Heidi Horten Collection, Wien © Rupert Steiner

In den großen Luftraum wurden drei gegeneinander versetzte Plattformen gehängt: zwei für die Ausstellungsflächen, eine fürs Büro. Die Untersichten sind vollflächige Lichtdecken. © Rupert Steiner

Dafür wurde vor dem Haus eine angehobene Grünfläche mit Skulpturen und umlaufenden Sitzbänken aus rot durchgefärbtem Beton geschaffen. Das Gebäude selbst erhält einen Fassadenbewuchs mit wilden Wein und Glyzinien. Auch rückseitig entstanden zwei bepflanzte Terrassen, die aus den Ausstellungsräumen im zweiten Obergeschoss und den Büros im Dachgeschoss zugänglich sind. Diese Flächen beeinflussen das Mikroklima im gesamten Gebäudekomplex positiv. Die zweite Idee betraf den Eingang, der aus der Nordwestecke des Hauses „herausgeschnitten“ wurde.

... den ganzen Beitrag lesen Sie in der Mai Ausgabe!

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